In diesen Tagen jährt sich ein Ereignis zum 75. Mal, das symbolhaft für den Beginn der Barbarei der Nationalsozialisten steht: die Bücherverbrennungen. Im Frühjahr 1933 wurde in die Flammen geworfen, was nicht mehr gelesen, erinnert und gedacht werden sollte. Die Werke der besten deutschen Literaten und Wissenschaftler gingen in Flammen auf. Es waren vor allem Studenten, die auf Marktplätzen und vor Universitäten die Scheiterhaufen auftürmten und die Bücher herbeischafften. Angesichts den lodernden Flammen fühlten sie sich als Wegbereiter einer „neuen Zeit", als Hoffnungsträger. Sie wollten die Hochschulen „säubern" und umkrempeln und später das Leben - ihres und das der ganzen Nation.

In ähnlichen Worten äußerte sich Götz Aly über eine andere Studentengeneration. Der renommierte, immer streitbare Historiker will bei den „68ern" denselben Utopismus, dieselbe Radikalität festgestellt haben. In seinem neuen Buch „Unser Kampf 1968" stellt er gewagte Thesen auf: Der Aufbruch der Studenten 1968 habe dem ihrer Väter von 1933 aufs Haar geglichen. Vor allem der Hang zu totalitärem Denken und Handeln vereine die beiden Generationen. Aly erntete Widerspruch von vielen Seiten. Mag sein, dass es an der Oberfläche gewisse Ähnlichkeiten des studentischen Aufbegehrens von „1933" und „1968" gebe, aber die politischen Motive der Aktivisten seien doch gänzlich andere, stellen seine Kritiker klar.

Auch diese Ausgabe der informationen kann dazu beitragen, den Blick zu schärfen: Sie widmet sich den Wissenschaften in der NS-Zeit. Die Beiträge von Michael Grüttner und Ludwig Elm zeigen, dass Professoren, Dozenten und Studenten die Machtübernahme der Nationalsozialisten durchaus nicht nur aus ideologischen Motiven begrüßten: Die Vertreibung der jüdischen und politisch missliebigen Professoren machte viele Stellen frei - junge Dozenten rückten nach und kamen auf der akademischen Karriereleiter voran.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft, der Vorläuferin der Max-Planck-Gesellschaft, die Rüdiger Hachtmann in seinem Beitrag analysiert. Hier reichten die Reaktionen auf die neuen Verhältnisse von Opportunismus bis zu offenem Entgegenkommen. Und wollen Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler nicht lediglich immer nur die besten Bedingungen für ihre Forschungen? Die genannten Beiträge, aber auch der von André Wilkening über die Entwicklungen im Fachbereich der Nordistik, blicken aber auch auf Kontinuitätsfragen nach dem Ende der NS-Zeit. Gleiches gilt für das Interview mit Heinz Düx, der die Versäumnisse der Juristen in der Verfolgung von NS-Verbrechen beleuchtet.

Einen weiteren Schwerpunkt des Heftes bildet die Erinnerungsarbeit - diesmal mit Hilfe sehr unterschiedlicher Medien. Anlässlich des demnächst anlaufenden Stauffenberg-Films „Walküre", der schon im Vorfeld für Furore sorgte - vor allem wegen seines Hauptdarstellers und Produzenten, des bekennenden Scientologen Tom Cruise -, untersucht Thomas Altmeyer die bisher vorliegenden filmischen Bearbeitungen über den militärischen Widerstand des 20. Juli 1944. Sandra Schulz erläutert die Arbeit des Kölner Künstlers Günter Demnig, der mit seinen „Stolpersteinen" schon in vielen Städten auf ermordete NS-Verfolgte aller Opfergruppen aufmerksam gemacht hat.

Schließlich stellt Cora Mohr auf der hier gegenüberliegenden Seite das jüngste Forschungsprojekt des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945 vor: „Frauenprojekt. Frankfurt - Ravensbrück". Die Arbeit wird dazu beitragen, Verfolgung und Widerstand sehr konkret zu verorten - und kann damit sicher Beispiel für ähnliche Forschungen in anderen Regionen sein.

Die Redaktion hofft, dass auch diese Ausgabe der informationen viel Stoff zum Nachdenken bietet, aber auch zum Mitreden in den aktuellen, oft verwirrenden und nicht selten verwirrten Diskussionen über unsere Vergangenheit.

Die Redaktion