90 Jahre Weimarer Verfassung und Frauenwahlrecht, 60 Jahre sind seit der Gründung der Bundesrepublik und der DDR vergangen, 60 Jahre NATO, 40 Jahre Mondlandung und vor 20 Jahren fiel die Mauer zwischen beiden deutschen Staaten. 2009 – ein Jahr voller Jubiläen, denen mit Sicherheit ein entsprechender Platz im medialen und öffentlichen Diskurs eingeräumt wird. 2009 jährt sich aber auch ein weiteres Ereignis, dem möglicherweise weniger Beachtung geschenkt wird: der Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939.

Hitlers Überfall auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste, veränderte die Welt in ungeahntem Ausmaß. Schon der Krieg 1914 bis 1918 hatte durch das industrialisierte Töten ein neues grausames Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. Doch im Zweiten Weltkrieg verband sich die „normale“ Kriegsführung mit dem Terror gegen die Juden Europas – ein bis dahin nicht bekanntes Verbrechen. Gleich zu Beginn des Heftes geht deshalb Hannes Heer der Frage nach, wie aus Wehrmachtssoldaten Teilnehmer am nationalsozialistischen Genozid werden konnten. Diese Ausgabe der informationen möchte aber auch einen Blick auf kaum wahrgenommene Akteure des Zweiten Weltkrieges richten. Martin Holler verweist auf Roma, die auf der Seite der Roten Armee gekämpft haben. Die Feldstrafgefangenen-Abteilungen als Orte des Leidens, aber auch des Widerstehens stehen im Fokus des Beitrages von Hans-Peter Klausch. Einen ganz anderen Blick auf den Verlauf des Krieges zeigen auch die Bilder des russischen Fotografen Michail Trachman, die die Artikel begleiten. Sie zeigen eine in Deutschland kaum wahrgenommene Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg: Trachman dokumentiert in seinen Fotografien eindrucksvoll das Leben von Partisanen hinter den Linien des Krieges und den Kampf der Roten Armee. Dass der Krieg auch für die Situation des Widerstandes beeinflusste, zeigen die Beiträge von Gerd R. Ueberschär und das Interview mit der ehemaligen Widerstandskämpferin Irmgard Heydorn. Ueberschär verdeutlicht die Bedeutung der Niederlage von Stalingrad für den deutschen Widerstand. Irmgard Heydorn, Ehrenmitglied des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933–1945 und als junge Frau Widerstandskämpferin beim Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK), erzählt in einem Interview von den Auswirkungen des Krieges auf die widerständigen Aktionen des ISK in Hamburg. Abgeschlossen wird der thematische Schwerpunkt zum Zweiten Weltkrieg durch den Beitrag von Beate Kosmala, der die (wenigen) Wehrmachtssoldaten in den Mittelpunkt rückt, die ihr Leben riskierten, um Verfolgte zu retten.

Trotz dieser Vielzahl an (großen) Jahrestagen und Jubiläen Gedenktage darf aber auch das kleine Gedenken an einzelne Persönlichkeiten nicht vergessen werden: Der Beitrag von Hans Coppi über den vor 40 Jahren verstorbenen Schriftsteller und Widerstandskämpfer Günther Weisenborn, dessen Werk „Der lautlose Aufstand“ ein frühes Standardwerk der Widerstandsforschung ist, ist ein Beispiel hierfür. Diesem Erinnern widmet sich auch das jüngste Buchprojekt des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933–1945. Unter dem Titel „Frankfurt am Main – FrauenKZ Ravensbrück. Lebensspuren verfolgter Frauen“ dokumentieren Petra Busmann, Ursula Krause-Schmitt, Cora Mohr, Birgit Moxter und Doris Seekamp 278 Frauen, die aus Frankfurt am Main nach Ravensbrück deportiert wurden, darunter auch 84, meist aus Polen und der Ukraine stammende, ausländische Zwangsarbeiterinnen.

Die Redaktion