Diese Ausgabe der „informationen“ entstand in – im wörtlichen Sinn – bewegten Zeiten für den Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945. Da war zunächst einmal Anfang Februar die Eröffnung der Ausstellung „Es lebe die Freiheit – Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus“ in Frankfurt/Main. Vom ersten Gedanken an eine solche Ausstellung bis zur Verwirklichung war es ein weiter Weg. Doch er hat sich, so lassen sich die vielfältigen Reaktionen zusammenfassen, trotz hohem Arbeitsaufwand für den Studienkreis gelohnt. Eine positive Resonanz in der Presse und vor allem ein interessiertes Echo von Schülerinnen und Schülern sowie anderen Besuchern zeigen, dass das Projekt auch über 65 Jahre nach dem Ende der NS-Zeit keineswegs auf Desinteresse stoßen muss. Die ersten Ausleihanfragen lassen auf ein erfolgreiches Wandern der Ausstellung hoffen. Mehr zur Konzeption der Ausstellung über das couragiertes Handeln junger Menschen finden Sie auf Seite 3.
Ganz konkret in Bewegung ist der Studienkreis seit Ende März: Nach 35 Jahren Archiv- und Bürobetrieb in der Frankfurter Rossertstraße wurden umfangreichere Renovierungsarbeiten der Büroräume in Angriff genommen: Ein neuer Fußboden, neue elektrische Leitungen und Leuchten, Investitionen in die Computer-Infrastruktur, Ausbau der Regalfläche und teilweise neue Büromöbel standen auf dem Programm, so dass eine runderneuerte Umgebung zum Arbeiten, Recherchieren, Studieren und Diskutieren entsteht. Während dieser Renovierungsphase war der Alltagsbetrieb entsprechend stark eingeschränkt und Rechercheanfragen mussten auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden. Nun steht der Studienkreis und sein Dokumentationsarchiv wieder in vollem Umfang für Recherchen in unseren Beständen und Anfragen zur Verfügung. Bei einem Tag der offenen Tür im Frühsommer 2011 können Sie gerne einen Blick in die neu gestalteten Räumlichkeiten werfen. Den genauen Termin veröffentlichen wir rechtzeitig im Voraus.
Unter diesen äußerlich erschwerten Bedingungen entstand nun die vorliegende Ausgabe der „informationen“. Dennoch glauben wir, dass wieder ein lesenswertes Heft herausgekommen ist. Das Schwerpunktthema dieses Heftes ist einfach und komplex zugleich: Wie kommen Einzelne dazu, Widerstand zu leisten? Harald Welzer und Susanne Beer versuchen in ihrem Beitrag eine sozialpsychologische Antwort auf diese Frage zu geben. Andreas Eder stellt eine außergewöhnliche Widerstandsbiografie vor: Maria Stromberger, die sich freiwillig als Krankenschwester ins Konzentrationslager Auschwitz versetzen ließ und dort den Widerstand der Häftlinge unterstützte. Bei Hildegard Neumann hingegen,die Sven Langhammer in seinem Beitrag porträtiert, spielen ihr Vater und ein Freund der Familie als politische Vorbilder eine große Bedeutung bei der Herausbildung ihres Widerstandes: Als Angestellte eines Fotolabors dokumentiert sie mit Zweitabzügen die Verbrechen des Krieges. Marten Döring beleuchtet die Beziehungen zwischen Verfolgten und ihren Helfern und zeigt dabei auch auf, wie Menschen zu „Judenrettern“ wurden. Passend zum Schwerpunktthema hat Kristina Bolotin schließlich Materialien für den Unterricht zum Hitler-Attentäter Georg Elser, seinen Motiven und die Debatte um ihn, zusammengestellt. Abseits des Heftschwerpunktes blickt schließlich Jörg Wollenberg auf die „Lebenslügen der Frontgeneration“ und zeigt dabei auch auf, wie die Kriegskindergeneration eine Quelle für die NS-Forschung sein könnte. Wie üblich schließen Besprechungen von Büchern und Filmen die vorliegende Ausgabe ab. Wir wünschen ihnen eine interessante, anregende und Erkenntnis erweiternde Lektüre.

Die Redaktion