Bereits in Hitlers „Mein Kampf“ ist zu lesen, dass der Staat „besonders der Presse auf die Finger sehen [muss], denn ihr Einfluß ist auf diese Menschen der weitaus stärkste und eindringlichste […]. Wenn also irgendwo, dann darf gerade hier der Staat nicht vergessen, daß alle Mittel einem Zwecke zu dienen haben; er darf sich nicht durch das Geflunker einer sogenannten ‚Pressefreiheit’ beirren und beschwätzen lassen, seine Pflicht zu versäumen und der Nation die Kost vorzuenthalten, die sie braucht und die ihr gut tut; er muß mit rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses Mittels der Volkserziehung versichern und es in den Dienst des Staates und der Nation stellen.“

Für die NS-Bewegung galt es also, die Presse vor den eigenen Karren zu spannen und sie in den Dienst der „nationalen Sache“ zu stellen. Über deren „Erfolg“ sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Hatten beispielsweise die NS-Blätter 1933 nur einen Auflagenanteil von 7,5% an den insgesamt rund 4.700 Zeitungen, gelang es, den Marktanteil auf 82 % (bei insgesamt 970 Zeitungen) im Jahr 1945 zu steigern. Zensur blieb dabei keineswegs das einzige Mittel, um die Zeitungen und Rundfunkanstalten „auf Kurs zu bringen“.
Journalisten und Redakteure wurden aus den Redaktionen vertrieben, es wurden Berufsverbote erteilt, Hörfunk und Presse wurde gleichgeschaltet. Dabei muss bedacht sein: Etwa 80 Prozent der Journalisten ließen sich ohne große Umstände „gleichschalten“. Die Medienlandschaft wurde organisatorisch und inhaltlich vollkommen umgewälzt.

Mit Hilfe von Massenmedien wie dem Hörfunk und dem Film wurde das NS-Regime in Szene gesetzt – die Filme von Leni Riefenstahl sind hier die prominentesten. Auffällig ist, dass die Nationalsozialisten dabei keineswegs auf eine offene Dauerpropaganda setzten. Vielmehr war Unterhaltung fester Bestandteil nationalsozialistischer Medienpolitik. Gründe genug, dass die vorliegende Ausgabe der „informationen“ sich Aspekten rund um das Thema „Medien in der NS-Zeit“ annimmt. Guido Schorr verdeutlicht in seinem Aufsatz, dass die schnelle Vereinnahmung der Presse durch Nazis auf drei Feldern vorangetrieben wurde: wirtschaftlich, juristisch-organisatorisch sowie inhaltlich. Ansgar Diller analysiert die NS-Propaganda im Rundfunk und arbeitet heraus, dass die NS-Führung keineswegs an reiner Agitation, sondern durchaus auch Unterhaltung als einen Bestandteil ihrer Propaganda verstanden. Auch die Gegner des NS-Regimes versuchten sich massenmedialer Mittel zu bedienen, um das Informationsmonopol der Nationalsozialisten zu brechen. Bekannt sind beispielsweise die deutschsprachigen Sendungen bei der BBC mit den Ansprachen von Thomas Mann. Nahezu unbekannt sind hingegen die Inhalte des deutschsprachigen Rundfunkes aus der Sowjetunion, häufig unter „Radio Moskau“ zusammengefasst. Wolfgang Mühl-Benninghaus beschäftigt sich mit diesem Aspekt. Welche Folgen das Hören dieser „Feindsender“ haben konnte und wie sich die Ahndung dieses Vergehens radikalisierte, zeigt Wolfgang Form in seinem Beitrag über die so genannten Rundfunkverbrechen auf. Dem Thema Exilzeitschriften wendet sich schließlich Christian Zech in seinem Beitrag zu. Er skizziert die Vielzahl an deutschsprachigen Emigrationszeitschriften, die in den USA erschienen sind.
Auch bei den beiliegenden „Materialien für die historisch-politische Bildung“ spielt eine Pressekampagne gegen eine Frankfurter Lehrerin zu Beginn der NS-Zeit eine wichtige Rolle. Angelika Rieber hat diese Geschichte um Liesel Oestreicher als Unterrichtsmaterialien aufbereitet.
Zwei weitere Beiträge in den informationen widmen sich anderen Themen: Wie die Judenverfolgung im Alltag präsent war, verdeutlicht Jörg Wollenberg an den Tagebüchern des Hamburger Juden Kurt Fritz Rosenberg. Eine Veröffentlichung dieser Tagebücher ist gerade in Vorbereitung. Der Beitrag von Thomas Altmeyer hingegen springt zeitlich in die Gegenwart. Vorgestellt werden die Ergebnisse einer Umfrage
unter knapp 600 Frankfurter Schülerinnen und Schüler, in der u.a. das Wissen und das Interesse vom Schülern an der NS-Zeit abgefragt wurden.
Wie üblich finden sich in den informationen wieder zahlreiche Buchbesprechungen. Unter der Rubrik „wieder gelesen“, die lange unbeachtete, und jetzt wiederentdeckte Romane über das Dritte Reich vorstellt, findet sich diesmal das Buch „Jeder stirbt allein“ von Hans Fallada, dass jahrzehntelang ein Schattendasein fristete.

Aufgrund der Fülle der Beiträge haben das Massenmedium Film und unsere Rubrik „Filme und neue Medien“ in dieser Ausgabe keine Berücksichtigung mehr finden können. Beide Themen werden in den kommenden Ausgaben wieder aufgegriffen.

Die Redaktion