Das Schwerpunktthema dieses Heftes ist unsere neugestaltete Ausstellung "Kinder im KZ Theresienstadt. Zeichnungen, Gedichte, Texte".

Im Rahmen des 29. Evangelischen Kirchentages in Frankfurt am Main wird sie am 29. Mai 2001 in der Stadtteilbücherei Rödelheim erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt; dann wandert sie - wie auch ihre Vorgängerinnen - wieder durch die Bundesrepublik. Von September bis November 2001 ist sie im Bildungszentrum der Deutschen Postgewerkschaft in Gladenbach zu sehen; weitere Termine können ab jetzt mit dem Studienkreis vereinbart werden.

Unsere Beschäftigung mit Theresienstadt begann etwa 1977: wir erhielten vom damals noch staatlichen jüdischen Museum in Prag eine fertige Ausstellung "Kinderzeichnungen aus Theresienstadt" mit großformatigen Reproduktionen, die wir in der folgenden Zeit häufig zusammen mit unserer eigenen Ausstellung "Naziterror gegen Kinder" verliehen haben.

1988 erarbeiteten Barbara Bromberger und Jutta von Freyberg eine neue Ausstellung, der sie den Titel "Kinder im KZ Theresienstadt. Bilder und Gedichte" gaben. Neu waren ausführlichen Informationen über die historischen Hintergründe, den Weg in den Holocaust; auch wurde versucht, ein wenig mehr über die Kinder und die konkreten Entstehungsbedingungen ihrer Zeichnungen und Gedichte in Erfahrung zu bringen.

Die dritte Fassung verzichtet nun beinahe ganz auf die historische Kommentierung; sie lässt die Zeugnisse - Zeichnungen, Gedichte, Texte von überlebenden Kindern - für sich sprechen. Die Überlegungen, die die Arbeitsgruppe Ausstellung dazu veranlassten, sind im Werkstatt-Bericht nachzulesen.

Dennoch erschien es uns unverzichtbar, den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung weitere Informationen zum KZ Theresienstadt, zur heutigen Gedenkstätte Theresienstadt und zum Jüdischen Museum in Prag zur Verfügung zu stellen.

Nicht realisieren konnten wir - nicht nur aus Zeitgründen - ein Gespräch mit einer Theresienstadt-Überlebenden, das wir in diesem Heft dokumentieren wollten. Wir bekamen viel Zustimmung für unser Projekt, viele wichtige Hinweise, doch das erneute konkrete Erinnern, das Aufzeichnen überstieg die Kraft unserer Gesprächspartnerin: "Über die Kinder ... über die Kinder können wir nicht reden." Vielleicht macht dieser Satz mehr als alles andere das Ausmaß der Verbrechen deutlich; Schweigen als Reaktion auf unerträgliche Erfahrungen.

Im Land der Täter hingegen wird im Interesse einer Umdeutung der deutschen Geschichte mehr denn je "erzählt". Die oral History, in den 70er Jahren mit dem Anspruch einer Gegengeschichtsschreibung angetreten, wird zu einer Art "Landser- und Trümmerfrauen-Wissenschaft" degradiert, in der Täter und Zuschauer von damals in den Status von Zeitzeugen erhoben und damit den Opfern gleichgestellt werden. Zu Ursachen und Implikationen dieses langjährigen Verschweigens in der Tätergesellschaft und dem aktuellen Redefluss äußert sich in diesem Heft der Historiker Raimond Reiter. Und gegen die Erinnerungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft kommen Rudolf Dohrmann und Hans Werner Kusserow mit ihren Berichten über "Widerstand nach 1945" und über ihren "Kampf um Entschädigung" zu Wort.

Stärker als frühere Ausgaben ist dieses Heft vom Austausch mit Leserinnen und Lesern geprägt: Es gibt Rückmeldungen zum Frauen-Heft und zum Anna-Seghers-Heft und zur Diskussion um die künftigen Schwerpunkte und den Namen des Studienkreises. Da dieser Austausch wichtig ist, freuen wir uns um so mehr, dass er ab dem 8. Mai 2001 - dank unserem Freund Tri Khac Ngo - auch auf unserer home-page geführt werden kann. Die Adresse: www.studienkreis-widerstand-1933-45.de
Die Redaktion: Margret Hamm, Ursula Krause-Schmitt, Gottfried Schmidt

"Alle Kriegserlebnisse sollten auf einen einzigen Nenner, nämlich den eines akzeptabeln deutschen Gewissens, zu bringen sein, mit dem sich schlafen lässt." Ruth Klüger über ihre Gespräche mit Deutschen