Das Exil verfolgter deutschsprachiger Wissenschaftler, Architekten und Künstler in der Türkei war Thema einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933–1945 und des Türkischen Volkshauses im Oktober 2008 in Frankfurt, die großen Zuspruch erfuhr. Zwei Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie die Ausstellung „Haymatloz“ des Aktiven Museums Berlin  dokumentierten – anlässlich des diesjährigen Ehrengastes der Frankfurter Buchmesse und des fünfundsiebzigsten Jahrestages des Emigrationsbeginns – Wege an einen für viele fremden und ungewöhnlichen Zufluchtsort (siehe auch www.exil-tuerkei.de).

Mit der „Machtergreifung“ 1933 sind aber keineswegs nur Wege ins Exil verbunden. Vielmehr gingen viele einen beschwerlichen und immer lebensgefährlichen Weg in den Widerstand. Solche widerständigen Wege – sei es die persönliche Entwicklung eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe oder der geografische Weg von Flugblättern und Tarnschriften, Informationen und Menschen – sind Thema der vorliegenden informationen. Die in diesem Heft versammelten Beiträge führen auf eine Wanderschaft durch weite Teile Europas, auf oft unbekannten oder noch wenig erforschten Pfaden.

Sven Langhammer dokumentiert Fluchtwege aus den Konzentrationslagern zu Beginn des NS-Regimes. Der Ausbruch aus einem Lager war außerordentlich riskant, viele Versuche scheiterten und waren für die zurückgebliebenen Häftlingen mit hohen Strafen verbunden. Wie antifaschistische Flugblätter den Weg ins „Reich“ fanden, zeigt Mathias Meyers in seinem Beitrag über den Widerstand in der Rheinschifffahrt. Ursula Krause-Schmitt schildert die verschlungenen Wege der Résistance im annektierten Elsass. Über die Berge und durch unwegsames Gelände in der sächsischen Schweiz in die Tschechoslowakei führten die Wege der „Roten Bergsteiger“, die Joachim Schindler in seinem Beitrag vorstellt. Schindler zufolge ist die Erforschung dieses Teils des Widerstandes keineswegs an ein Ende gelangt. Die Erinnerung an den Widerstand der italienischen Resistenza in den Bergen des Appenin steht im Mittelpunkt des Beitrages von Steffen Richter. Er zeigt auf, wie im Rahmen einer Wanderung junge Menschen den „Sentieri Partigiani“ folgen. Über eine andere Form des Gedenkens an einen langen und gefahrvollen Weg berichtet Katja Krause. Walter Benjamins Weg über die Pyrenäen endet in spanischen Grenzort Portbou. Eine eindrucksvolle Installation erinnert an seinen, aber auch an die Wege vieler anderer, oft unbekannter Menschen. Viele Stationen hatte auch der Weg, den Margarete Schütte-Lihotzky in den aktiven Widerstand ging. Cornelia Pieroth hat diesen Weg nachgezeichnet, der sie auch eine Zeitlang ins türkische Exil führte. Die Vorbereitungen zu den Kämpfen in den polnischen Ghettos schildert Joachim August: Auch dies ein bitterer Weg in den direkten Kampf des Warschauer Ghettoaufstandes.

Mit diesem Heft der informationen  ist eine Neuerung verbunden: Da in den letzten Jahren eine Vielzahl an Filmen, neuen Medien und Musik erschienen sind, die Widerstand und Verfolgung in den Mittelpunkt rücken, möchten wir diesen Medien mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Daher finden Sie in diesem Heft der informationen erstmals die Besprechung von Multimedia-CDs und Filmen in einer eigenen Rubrik.

Die Redaktion