„Wir mussten als Kinder schon erwachsen sein."
Edith Erbrich

„Wir mussten als Kinder schon erwachsen sein.“ Unter dieser Überschrift beschreibt Edith Erbrich im Begleitkatalog zu unserer Ausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt – Zeichnungen, Gedichte, Texte“ ihre Kindheit in Frankfurt am Main und im KZ Theresienstadt. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Schwester wurde sie als Kind einer so genannten „Mischehe“ im Februar 1945 – also bereits nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – deportiert. Seit dem Aufschreiben ihrer Lebensgeschichte, bei der sie vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 unterstützt wurde, und der erstmaligen Veröffentlichung ihrer Geschichte 2003 engagiert sich Edith Erbrich als Zeitzeugin und konnte ihre Erfahrungen an zahllose Schüler und Besucher unserer Ausstellung vermitteln. Am 4. Oktober 2007 wurde ihr Engagement durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Wir gratulieren Edith Erbrich sehr herzlich.

Dass die Opfer der Konzentrationslager und das KZ-System als ein zentrales Moment nationalsozialistischer Herrschaft einen bedeutenden Raum unserer Arbeit einnehmen, dürfte den Mitgliedern, Freunden des Studienkreisen und den Lesern der informationen bekannt sein. So widmen sich beispielsweise unsere beiden derzeitigen Ausstellungen den Kindern im KZ Theresienstadt und den Frauen in den Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück. Auch das Projekt Frauen-Frankfurt-Ravensbrück, das sich auf die Spurensuche nach Frankfurterinnen begibt, die in das KZ Ravensbrück deportiert wurden, ist in diesem Kontext zu nennen. Ergebnisse dieses Studienkreis-Projektes werden im Frühjahr 2008 - als zweiter Band der neu geschaffenen „Schriftenreihe des Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945" veröffentlicht. Den Eröffnungsband bildet der Begleitband zu unserer Jubiläumstagung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Perspektiven der Vermittlung" (17./18.3.2007), der gerade erschienen ist.

Nachdem in den vergangenen Ausgaben der informationen regelmäßig Beiträge zu unterschiedlichen Aspekten des Systems der Konzentrationslager erschienen sind, haben wir uns entschlossen, in der nun vorliegende Ausgabe diese Thematik in den Mittelpunkt zu stellen und damit verschiedenen, oft wenig erforschten Aspekten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

- Jens-Christian Wagner beleuchtet in seinem Beitrag den Überlebenskampf und das widerständige Verhalten der KZ-Häftlinge in Mittelbau-Dora. Geleitet wird sein Beitrag durch die Frage, ob der Widerstand in Mittelbau-Dora durch die KPD angeführt worden war - eine Aussage, die in der DDR-Publizistik weit verbreitet war.
- Ob Häftlinge in den Konzentrationslagern eine „eigene" Sprache sprachen und welche Form diese annahm, ist Thema des Beitrages von Nicole Warmbold. Mit ihrer Forschungen zur Lagersprache in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Buchenwald greift sie ein bis heute wenig beachtetes Thema auf.
- Die Häftlinge des KZ Lichtenburg stehen im Mittelpunkt des Beitrages von Sven Langhammer. Er beschreibt in diesem Zusammenhang nicht nur die Zusammensetzung der hessischen Häftlingen in der Lichtenburg, sondern auch, welche frühen Konzentrationslager Anfang der 1930er Jahre für das heutige Hessen zuständig waren.
- Gegen die Meinung, dass bezüglich der Konzentrationslager alles gesagt sei, bezieht Katja Sabisch Position. Sie geht in Ihrem Beitrag der soziologischen Bedeutung des medizinischen Versuchs in den Krankenrevieren der Konzentrationslager nach.
- Mit dem Konzentrationslager Dachau aufs Engste verknüpft ist die Biografie von Pater Leonhard Roth, die Franz Pawelka vorstellt. Sein Beitrag bildet somit auch eine Fortsetzung der letzten Ausgabe der informationen zum Thema „Kirche zwischen Zustimmung, Anpassung und Widerstand". Roth war KZ-Häftling in Dachau, Pfarrer im dortigen Internierungslager und setzte sich für die Einrichtung einer KZ-Gedenkstätte ein.

Ebenfalls biografisch angelegt, jedoch nicht mehr zum Themenschwerpunkt gehörend, ist der Beitrag von Christoph von Weitzel über den deutsch-amerikanischen Maler Franz Herda und sein couragiertes Verhalten im München der 1930er Jahre. Ludwig Elm wendet sich in seinem Beitrag der Zeit nach 1945 zu und analysiert die Geschichtspolitik der frühen Bundesrepublik unter Adenauer. Protest und Widerstand gegen die NS-„Euthanasie" und pädagogische Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen von Uta George und Bettina Winter. Ihr Beitrag liefert wichtige Anregungen für die historisch-politische Bildungsarbeit.

Abgerundet werden die informationen durch eine Würdigung zum 100. Geburtstag von Hans Schwert, verfasst von Ulrich Schneider und dem traditionellen Rezensionsteil sowie der Rubrik „Wieder gelesen". Für letztere hat Jana Mikota Hilsenraths Roman „Der Nazi und der Friseur" wiederentdeckt.

Die Redaktion