Die Türkei war kein klassisches Ziel für Menschen, die Nazi-Deutschland verlassen mussten, weil sie Juden waren oder politisch verfolgt wurden. Trotzdem fand ein Gruppe von mehr als 1.000 Flüchtlingen in Ankara oder Istanbul einen sicheren Hafen. Sie waren Architekten, Mathematiker, Biologen, Juristen oderMusiker – und in der Türkei höchst willkommen. Das Land am Bosporus befand sich seit 1923 auf Kemal Atatürks radikalem Reformkurs – Experten aus dem Ausland konnten und sollten dabei nachhaltige Impulse geben.

„Elite-Emigranten“ hat man sie genannt, aber der Begriff beschreibt die Lebensumstände der deutschen Auswanderer wenig zutreffend. Sie fanden zwar – anders als viele Leidensgenossen – wohlwollende Aufnahme und Arbeit im fremden Land, aber auch sie begaben sich auf eine schwere ungewisse Reise. Viele zogen in ein anderes Exil-Land weiter, andere kehrten nach dem Krieg zurück nach Deutschland, nur wenige blieben auf Dauer in der Türkei, die ihnen in größter Not „Haymat“ geboten hatte.S. Hillebrecht im Gespräch mit der Zeitzeugin Therese Giese

In Deutschland wiederum suchten Flüchtlinge aus der Türkei nach 1980 Asyl. Als der Militärputsch und seine Folgen rund 30.000 politische Aktivisten ins Ausland zwang, fanden auch in Frankfurt viele Menschen eine neue „Haymat“.

Diesen beiden in der Öffentlichkeit wenig beachteten Kapiteln der deutsch-türkischen Beziehungen widmet sich diese Veranstaltungsreihe parallel zur Buchmesse 2008. Das „Gastland Türkei“ erscheint in neuer, weithin unbekannter Perspektive.

Projektdauer: 2008

Mitarbeiter: Thomas Altmeyer M.A., Gabriele Prein, Ülkü Schneider-Gürkan (Türkisches Volkshaus, Frankfurt)

Kooperationspartner: Türkisches Volkshaus (Frankfurt)

Unterstützer/Förderer: Deutscher Gewerkschaftsbund (Frankfurt-Rhein-Main), IG Metall Vorstand (Frankfurt am Main), Stadtbücherei Frankfurt / Zentralbibliothek