bis 18. Juni 2017, Oranienburg
Erstmals präsentiert die Ausstellung die vollständige Serie von 68 Fotos, die die Opfer der größten Massenmordaktion im KZ Sachsenhausen unmittelbar vor ihrer Ermordung zeigen und die von Häftlingen aus dem KZ geschmuggelt wurden. Die Fotos werden von Darstellungen zu ihrer Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte gerahmt.
Am 22. Juni 1941 überfiel das nationalsozialistische Deutschland die Sowjetunion und entfesselte einen rassistisch und antisemitisch motivierten Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Nach den von der Wehrmacht vorbereiteten Befehlen sollten alle in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen sowjetischen „Kommissare“, dazu zählten insbesondere alle Juden, „Intelligenzler“, Funktionäre der kommunistischen Partei, alle „Aufwiegler“ und „unheilbar Kranken“, sofort hinter der Front ausgesondert und erschossen werden.
Nach Oranienburg, wo die „Inspektion der Konzentrationslager“ die gesamte Mordaktion organisierte, transportierte die Wehrmacht in den Monaten September bis November 1941 mehr als 13.000 sowjetische Kriegsgefangene. Innerhalb von nur zehn Wochen wurden im KZ Sachsenhausen mehr als 10.000 von ihnen in einer automatisierten „Genickschussanlage“ im Industriehof ermordet.
Die Fotoserie, die im Zentrum der Ausstellung steht und deren Originale sich heute im Staatsarchiv Prag und im Mährischen Museum Brünn befinden, zeigt die entkräfteten und in zerlumpte Uniformen gekleideten sowjetischen Kriegsgefangenen unmittelbar vor ihrer Ermordung. Die Bilder wurden von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken angefertigt. Mit den Fotos „slawischer Untermenschen“ sollte der rassistische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion gerechtfertigt werden, wie die Ausstellung am Beispiel von Plakaten und Broschüren zeigt, in denen Motive der Bilder verwendet wurden.
Die Häftlinge, die die Bilder beim Erkennungsdienst in der Politischen Abteilung des KZ Sachsenhausen entwickeln mussten, nahmen die Negative an sich. Bei der Räumung des Lagers im April 1945 gelang es ihnen, die Negativrolle mit auf den Todesmarsch zu nehmen und auf diese Weise die einzigartigen Bilddokumente aus dem Lager herauszuschmuggeln. Die  Ausstellung porträtiert auch den tschechischen Häftling und Fotografen Jaroslav Šklíba, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die bedeutendsten fotografischen Zeugnisse aus dem KZ Sachsenhausen für die Nachwelt erhalten geblieben sind.
Kontakt und weitere Informationen:
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen - Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg, Tel. 03301-200-0;  http://www.stiftung-bg.de/gums/de/