Erst militärische Verbündete, dann angebliche „Verräter“: Bis Herbst 1943 kämpften deutsche und italienische Soldaten gemeinsam an den Fronten des Zweiten Weltkriegs. Doch am 8. September 1943 kündigte die italienische Regierung unter Marschall Pietro Badoglio dieses Bündnis auf. Die Reaktion von deutscher Seite folgte unmittelbar: Binnen weniger Tage nahm die Wehrmacht zahlreiche italienische Soldaten gefangen. Rund 600.000 bis 650.000 wurden als sogenannte Militärinternierte ins Deutsche Reich und ins besetzte Polen verschleppt. Viele mussten dort Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie, im Bergbau und in der Landwirtschaft leisten. Insgesamt starben etwa 50.000 bis 60.000 an den Folgen ihrer Gefangenschaft. Von Anfang an befanden sich die italienischen Militärinternierten „zwischen allen Stühlen“. Viele Deutsche wollten sie als „Verräter“ hart bestrafen und zugleich ihre Arbeitskraft für die „totale Kriegswirtschaft“ ausbeuten. Gleichzeitig warben deutsche Organisationen und das faschistische Mussolini-Regime in Norditalien bei ihnen weiterhin um eine Fortsetzung des bewaffneten Kampfes für den „Endsieg“: So erhielten einige Militärinternierte eine gewisse Wahlfreiheit, sich für oder gegen ein Weiterkämpfen an deutscher Seite oder einen Verbleib in der Gefangenschaft zu entscheiden. Andere Häftlings- und Zwangsarbeitergruppen in den Lagern begegneten den vormaligen Verbündeten der Deutschen oftmals feindlich und misstrauisch: Sie betrachteten sie weiterhin als Gegner. Auch nach ihrer Befreiung und Heimkehr fand das Schicksal der Militärinternierten kaum Beachtung: In der italienischen Nachkriegsgesellschaft wurden sie lange nicht als Opfergruppe anerkannt, von deutscher Seite bis heute nicht entschädigt. Die Dauerausstellung dokumentiert die Geschichte dieser Opfergruppe, die bislang wenig bekannt ist.
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