VON CLAUDIA MICHELS

In einer Zeit, als man in Deutschland die Widerständler gegen das Nazi-Regime unter größerem Vorbehalt betrachtete als das untergegangene Regime selbst, gründete sich in Frankfurt der Studienkreis Deutscher Widerstand. Namen wie Wolfgang Abendroth und Martin Niemöller gehören zur Gründungsgeschichte.

Am heutigen Donnerstag begeht der Verein in den Räumen seines Dokumentationszentrums in der Rossertstraße 9 (Westend) mit der Veröffentlichung einer Chronik sein 40-Jahr-Jubiläum. Ganz vorne in dem Band, noch vor der Einleitung, ist eine Erinnerung an den 2006 mit 90 Jahren verstorbenen Frankfurter Peter Gingold platziert. Gingold, der in der Pariser Résistance gegen die deutschen Besatzer gekämpft hatte, war mit dem von ihm verkörperten Leitsatz "Nie resignieren!" Ehrenmitglied im Studienkreis.

Der Verein ist mit dem Anspruch angetreten, "der Ausgrenzung des Widerstands aus der Arbeiterbewegung entgegenzutreten", berichtet der Vorstand.

Bis heute werde in Sammlung und Forschung "der Fokus auf den kleinen, den verdrängten Widerstand" gelegt, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Altmeyer - "das hebt uns ab von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin". Dort liegt der Schwerpunkt überwiegend auf der Widerstands-Geschichte im Hintergrund des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944. Neben dem Trägerverein fördert die Stadt Frankfurt den Studienkreis mit 20 000 Euro im Jahr.

Zusammen mit Ehrenamtlichen eröffnet Altmeyer im Zentrum den Zugang zu Dateien, Dokumenten, Akten und Nachlässen sowie zur 12 000-Bände-Fachbibliothek. Was in 40 Jahren zusammengekommen ist, bedeutet für Schüler, Studenten und auch für Historiker eine einmalige Quelle.

Frankfurter Rundschau, 8.11.2007

Quelle: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1239914