16. Mai 2018, 14–17 Uhr, Wiesbaden
Am 30. Oktober 2017 entschied die UNESCO, dass die Akten und Tonbandmitschnitte aus dem ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965) in das internationale Register »Memory of the World« aufgenommen werden. Die feierliche Verleihung der Urkunde wird am 16. Mai 2018 in einem Festakt in Wiesbaden begangen. Danach findet die Tagung statt.
Der von Fritz Bauer maßgeblich initiierte Frankfurter Auschwitz-Prozess war das erste westdeutsche Großverfahren, das sich mit den Verbrechen in Auschwitz befasste. Nach Bauers Ansicht ging es bei der Aufarbeitung vor Gericht darum, einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu leisten. Er verstand, dass jenseits des Dokumentenmaterials die tatsächlichen Verhältnisse in Auschwitz nur durch die Aussage von Zeugen erfasst werden könnten. Fritz Bauer wollte die Deutschen mit diesem Prozess aufrütteln. Überlebende aus Polen, der Sowjetunion, Israel und Deutschland sagten in diesem Prozess aus. Ihre Stimmen, die Vernehmungen vor Gericht, das Agieren von Richtern, Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertretern, Verteidigern und Dolmetschern sind in Aktenform und auf Tonbändern verfügbar. Mit ca. 430 Stunden Tonaufnahmen und den umfangreichen Verfahrensakten der Staatsanwaltschaft verfügt das Hessische Hauptstaatsarchiv über einen einzigartigen Fundus an Quellen für die Erforschung des Holocaust, aber auch für den Ablauf im Gerichtssaal. Mehr als 50 Jahre nach dem Prozess sind die Tonbänder und Verfahrensakten längst als Quellen in die historische Forschung eingegangen. Was können wir aus diesem Material lernen? Wie hat es unsere Sicht auf das Geschehen in Auschwitz geformt? Welche Absichten der Prozessbeteiligten lassen sich aus den Quellen ableiten? Welche Fragen muss die Geschichtswissenschaft an das Material stellen? Diese und andere Themen werden auf der Tagung behandelt.
Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung! Anmeldung unter: pressestelle@hla.hessen.de
Tagungsort: Hessisches Landesarchiv, Abt. Hessisches Hauptstaatsarchiv, Mosbacher Str. 55, Wiesbaden
Kontakt und weitere Informationen:
Fritz Bauer Institut, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel.: 069.798 322-40, info(at)fritz-bauer-institut.de, http://www.fritz-bauer-institut.de/