Von Claudia Radzwill

Remscheider General-Anzeiger

Ausstellung im Bürgerhaus erzählt Geschichten von Vorbildern. "Ich bereue nichts!" und "Retten wir die Stadt" - so sind zwei Lebensgeschichten überschrieben, die den Widerstand junger Leute in der NS-Zeit dokumentieren. Nachzulesen sind diese derzeit auf großen Tafeln, die im Mehrzweckraum des Bürgerhauses aufgebaut sind.

Auf Initiative des "Runden Tischs gegen Rechts e.V." ist seit Dienstag dort eine Ausstellung zu sehen, die sich mit Jugendlichen in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt. Jugendliche, die nicht uniform der Hitlerjugend folgten, sondern sich den rechten Machthabern widersetzten. "Besonders Schüler wollen wir mit den Exponaten wachrütteln, auch im Hinblick auf die rechten Tendenzen, die es auch in unserer Stadt gibt," so der Vorsitzende des "Runden Tisches", Michael Ruhland.

Der "Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 bis 1945" hat die Wanderausstellung zusammengetragen. "Unser Ziel ist es, etwas gegen das Vergessen zu tun", erklärte Dr. Dirk Krüger in seiner Eröffnungsrede. Der Studienkreis wurde 1967 gegründet, er konzipierte bereits mehrere Ausstellungen. Mit seinem Engagement will der Kreis jedoch ebenso wie Ruhland und seine Mitstreiter auf die aktuelle wachsende Gefahr seitens rechter Gruppierungen aufmerksam machen, den Mut wecken, sich dagegenzustellen.

Die Titel der Ausstellung lautet: "Es lebe die Freiheit". Es waren die letzten Worte Hans Scholls, einem der Mitglieder der "Weißen Rose". "Neben dieser wohl bekanntesten Widerstandsgruppe der Geschwister Scholl gab es aber noch eine Menge mehr Jugendliche, die sich dem NS-Regime widersetzten", betonten am Abend Michael Ruhland und Horst Enneper. Politische, kulturelle, religiöse Gruppen sowie einzelne junge Leute verweigerten sich im Dritten Reich dem geforderten Drill und dem Gehorsam, bezahlten dies mit Verfolgung und Tod.

Ein Beispiel ist die Swing-Jugend, die ihren amerikanischen Vorlieben frönten. Die "Edelweißpiraten" organisierten ihre Freizeit lieber selber, fielen auf durch ihre lässige Kleidung. Ein Beispiel für einen Einzelkämpfer war Guy Môquet. "Seine Geschichte hat Reiner Klausing mit Spielern des Rader Fußballvereins SC08 zusammengetragen", berichtet Ruhland. Môquet lebte in Châteaubriant, der französischen Partnerstadt Radevormwalds. "Er verteilte Flugblätter gegen die deutsche Besatzung. Dafür wurde er zum Tode verurteilt."

Den Reigen der Grußworte eröffnete am Abend Bürgermeister Dr. Josef Korsten. "Unsere Stadt steht leider im Fokus rechtsradikaler Probleme", bedauerte er. Umso erfreuter zeigte er sich, dass zur Eröffnungsfeier "so viele Menschen ganz unterschiedlicher Gruppierungen" gekommen waren. "Sie sind hier, sie stellen sich dem rechten Phänomen entgegen, das finde ich toll!" Mehr noch: "Es zeigt, wo diese Stadt wirklich steht - für Demokratie und gegen Rechts."

Dietmar Paulig, der als Direktor der "Geschwister-Scholl-Hauptschule" spontan die Schirmherrschaft für die Schau übernommen hatte, betonte, wie wichtig es sei, Flagge gegen Rechts zu zeigen. Lois Goege sprach sich im Namen der Rader Schüler für Toleranz und Meinungsfreiheit aus. Jürgen Krause, dessen Gewerkschaft "Verdi" die Rader Ausstellung unterstützt, und Armin Himmelrath vom Verein Bergische Zeitgeschichte bekräftigten noch einmal die Worte der Vorredner.

Quelle: Remscheider General-Anzeiger, 22.3.2012, http://www.rga-online.de/rga_102_109995654-2-_Jugend-im-Widerstand--.html?RGAID=9f758cd7b2bc5283b0c20efc00f5fc58